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Tragwerksplanung für historische Konstruktionen

Das ursprüngliche Tragwerkskonzept, das die Erbauer einem Gebäude zur Bauzeit zugrundelegten, wird von vielen in der Denkmalpflege unerfahrenen Statikern "kaputtgerechnet", das heißt, die statische Berechnung weist aus, daß die nach den einschlägigen Normen anzusetzenden Verkehrslasten von der Konstruktion nicht aufgenommen werden können. Die Folge ist, daß das historische Tragwerk deaktiviert und die Gebäudehülle an neue, normgerecht berechenbare Stützkonstruktionen angehängt wird.
Daß eine solche Sanierung oftmals teurer wird als ein vergleichbarer Neubau und zudem sämtliche Finanzierungskonzepte sprengt, weil die meisten Schäden erst in der Sanierungsphase zutage treten, ist nicht verwunderlich.

Das Problem liegt jedoch in vielen Fällen nicht beim Tragwerk, sondern beim Tragwerksplaner, der die Eigenarten historischer Konstruktionen nicht berücksichtigt.

Nur auf der Grundlage eines Aufmaßes und einer systematischen Bestandserfassung kann die vorhandene historische Konstruktion mit ihren über die Jahrhunderte entstandenen Eigenschaften (Verformungen, Schiefstellungen, Lastumlagerungen, Querschnittsschwächungen durch Schäden, etc.) weitgehend realitätsnah für die Berechnung modelliert werden.
Das Berechnungsverfahren muß an das vorliegende Objekt individuell angepaßt werden. Fertige Berechnungsprogramme (z.B. für Dachgebinde) eignen sich allenfalls für eine überschlägige Vorstatik, für genauere Ergebnisse sind die vorgefundenen Systeme einschließlich der gravierendsten Systemverschiebungen in ein Stabwerksprogramm einzugeben. In vielen Fällen läßt sich durch Berechnung des dreidimensionalen Systems, das das räumliche Tragverhalten (das jeder Holzkonstruktion zueigen ist) berücksichtigt, die Standsicherheit ohne Zusatzkonstruktionen nachweisen.
Wird z.B. ein Deckenbalken-Unterzug-System nicht als Kombination ebener Systeme, sondern als räumlich wirkender Trägerrost gerechnet, ergibt sich eine realitätsnahe Spannungsverteilung zwischen Deckenbalken und Unterzug, Verstärkungsmaßnahmen werden dann oftmals überflüssig.
Das etwas höhere Honorar für den Tragwerksplaner ist in diesen Fällen gut angelegt und wird bei der Ausführungsplanung und bei den Bauarbeiten mehrfach wieder eingespart.

 

 

 

 

 




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